Die Ostrhodopen – Illegale Investitionsvorhaben gegen die biologische Vielfalt

Die Ostrhodopen gehören zu den schönsten und unberührtesten Ecken Bulgariens. Wegen der spezifischen Landschaft und den riesigen Felsmassive ist dieses Gebiet im Laufe der Jahrhunderte zu einem kleinen Paradies mit außerordentlich reicher Artenvielfalt geworden. Hier leben und nisten viele weltweit gefährdete Vögelarten. Dies ist der einzige Ort in Bulgarien, wo alle drei in unserem Land heimischen Geiern ihre Nester bauen– der Gänsegeier, der Mönchsgeier und der Schmutzgeier. Außerdem ist das der Ort mit der größten Raubvögelvielfalt in Bulgarien. Wegen missverstandener Investitionsförderung und wegen rein persönlicher Interessen einiger Beamten sind aber die für die Ostrhodopen charakteristischen Artenvielfalt und Landschaft leider schon auf dem Weg der Zerstörung.

In Dezember 1997 fand in der japanischen Stadt Kyoto die dritte Konferenz der Vertragsmitgliedsländer statt, bei der das Kyotoprotokol unterzeichnet wurde. Dieses Protokol verpflichtet die Länder, darunter auch Bulgarien, bestimmte Ziele zu erreichen, die mit der Reduzierung der insgesamt 6 Treibhausgase (z.B. CO2) in der Periode 2008–2012 verbunden sind. Als Folge begann in Bulgarien der Aufbau von Parks zur alternativer Energiegewinnung.

Die Koalition „Damit in Bulgarien Natur bleibt“ vertritt den Standpunkt, dass die Ökoenergiequellen viele Vorteile haben, wenn sie an dafür geeigneten Orten eingerichtet werden, wobei bei der Auswahl dieser Orte nicht nur die wirtschaftliche und energetische Effektivität, sondern auch die Auswirkung auf die Natur und die Vielfalt in den Gebieten berücksichtigt werden sollen. Leider gibt die bisherige Praxis in der Prozessentwicklung Anlass zur ernsthaften Beunruhigung.

Der obengenannten Tendenz zur Entwicklung von erneuerbaren Energiequellen folgend, ist in Bulgarien die Interesse am Aufbau alternativer Energiequellenanlagen gestiegen. Dieser Prozess ist in den Ostrhodopen besonders fortgeschritten.

Die Institution, die all dies kontrollieren sollte – das Regionalamt für Umwelt und Gewässer in Haskovo (die Regionalstruktur des Ministeriums für Umwelt und Gewässer) – arbeitet gegen die Nationalinteressen und die Naturschutzgesetzgebung.

Die Annahme der Investitionsvorschläge für Windkraftanlagen verläuft bei vollem Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Regionalamt für Umwelt und Gewässer (RUG) Haskovo gibt keine Information bezüglich Entscheidungen über die Umweltauswirkungsgutachten, Kompatibilitätsgutachten und öffentlicher Diskussionen auf seiner Internetseite, obwohl es dazu gesetzlich verpflichtet ist. Die Beamten verstoßen gegen das Gesetz über den Zugang zur öffentlichen Information, indem sie sich weigern, Informationen über die erstellten Umweltauswirkungs- und Kompatibilitätsgutachten sowie die vom Amtsvorsitzenden getroffenen Entscheidungen über die Auswirkung auf die Umwelt zu veröffentlichen.

Aus diesem Grund haben Mitglieder der Koalition „Damit in Bulgarien Natur bleibt“ viele Klagen gegen die Informationsverweigerung eingereicht. Ein Teil der Prozesse haben sie gewonnen, der Rest wird am Administrativen Gericht in Haskovo und am Obersten Administrativen Gericht verhandelt.

Die Umweltauswirkungs- und Kompatibilitätsgutachten für die Windparks im Rhodopengebiet sind überhaupt nicht objektiv und beinhalten falsche Schlussfolgerungen, trotzdem wurden sie von der RUG Haskovo anerkannt.

All das stellt ein Verstoß gegen die Naturschutzgesetzgebung dar und führt zu der Schlussfolgerung, dass es sich dabei um Korruptionspraktiken in großen Maßstäben handelt, in denen Beamten involviert sind.

Wenn alle Investitionsvorhaben bezüglich der Windkraftanlagen verwirklicht werden, werden die Populationen von vielen weltweit geschützten Arten stark gefährdet, darunter auch die Population der Geier, die die Ostrhodopen schon seit Jahrtausende bewohnen.

Koalition „Damit in Bulgarien Natur bleibt“ vertritt den Standpunkt, dass dies in keinem Fall zugelassen werden darf und sogar an Landesverrat grenzt. Wir werden weiterhin gegen alle Gesetzesverstöße auch in dieser Region kämpfen, um unseren Nationalreichtum und unsere schöne Natur zu schützen.

Foto: Dobromir Dobrinov

Ins Deutsche übersetzt von: Kalina Bibischkova

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