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Warum es keine Drahtseilbahn zu den Sieben Rila Seen hätte geben sollen

Warum es keine Drahtseilbahn zu den Sieben Rila Seen hätte geben sollenAus Micheles Blog

Ich liebe die Sieben Rila Seen, das muss ich gestehen. Ich bin mehrmals dort gewesen, mit Ani, auch allein und mit Freunden. Es ist ein zauberhafter Ort!

Aber leider nicht mehr.

1. http://paper.standartnews.com/bg/article.php?d=2009-08-01&article=287874

2. http://dzver.com/blog/?p=1768

3. http://akolev.wordpress.com/2009/08/08/rilalakes_afterthelift/

4. http://pippilotamentolka.wordpress.com/2008/08/27/sedemte_rilski_ezera/


Viele Reisenden, Bloggers und Journalisten erzählen, dass seit die ilegalle Drahtseilbahn zur Berghütte “Rilski ezera” funktioniert, haben sich die Dinge zum Schlechten gewendet.

Um die Seen hat sich die Schweinerei mehrmals vergrößert. Müll, Lärm, Menschenmengen von zufälligen “Touristen“, die gekommen sind, um das „Wunder“ zu sehen, einige Photos zu machen, etwas zu essen und zu trinken und dann den Müll wegzuwerfen. Manche werfen den Müll direkt in den Seen, andere auf dem Boden.

Die Schalnge für die Drahtseilbahn ist typischerweise riesig und man muss oft zwei oder drei Stunden warten (!), nur um nach oben zu fahren. Und auch nach unten – die Faulheit verzieht niemandem, insbesondere den Leuten, die nur durch Zufall im Herzen des Berges geraten sind....

Es gibt auch einen breiten Weg nach oben, was die Situation noch verschlechtert (Transport mit Jeeps).

Die Berghütte “Rilski ezera” erhebt den Anspruch ein Hotel zu sein (nach der Ausbesserung und Erneuerung). Ich erinnere mich, dass wir letzten Herbst ungefähr 40lv. für ein Doppelzimmer (mit Bad) bezahlten. Es stimmt, die Verhältnisse waren nichts Besonderes, aber es ging, man konnte dort übernachten, es gab warmes Wasser für zwei Stunden jeden Tag, und 40 lv. ist akzeptabel für zwei Personen. Jetzt kostet ein solches Zimmer, aber ohne Bad, ungefähr 60 lv. (!), und für ein Zimmer mit Bad, wage ich es mir nicht vorzustellen... Zugänglicher Ort? Es sieht aus, als wäre das schon Vergangenheit...

Ist das große Gedränge von zufälligen Leuten oben im Naturschutzgebiet ein Problem?

Theoretisch- nicht. Aber in der Praxis?

* Der Müll kann entsorgt werden, aber wird das jemand machen? Es gibt dort keine Entsorgungsbetriebe. Großen Menschenmengen werden durch die Drahtseilbahn nach oben transportiert, aber die Firma, die den Lift betreibt und von ihm profitiert hat keine Reinigungskräfte angestellt, die dort oben im Gebirge umhergehen und nach den „Touristen“ säubern. Das ist auch nicht möglich. Man kann sich nur auf die echten Bergwanderer verlassen, die versuchen werden, ein Teil des Mülls der „Ankömmlinge“ in ihren Rücksäcken auszuführen. Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein...

* Der große Menschenfluss trägt nicht nur für die Zunahme des Mülls bei, sondern kann auch zur Störung der Ökogleichgewichts im Gebiet führen. Mehr Lärm und Verschmutzung sind die direkten Folgen (es gibt auch indirekte). Wenn die Menschen zu viele werden, dann machen sie tatsächlich sehr viel Lärm, was die wenigen übriggebliebenen Vertreter der lokalen Fauna nicht nur stören, sondern auch bedrohen kann.

* Rila ist ein Reservat. Ob irgendein “kluger Kopf“ in inrgendeinem Ministerium richtig gedacht hat, wenn er den Bau einer Drahtseilbahn, die zum Herzen eines Naturparks führt, erlaubt hat? Ob er sich die Konsequenzen der Tatsache, dass jetzt hudertmal mehr Menschen zum Zentrum des Reservats hingehen und in Rahmen eines Tages zurückkommen können, bewusst ist?

... Ich bin traurig, weil wir in Bulgarien jeden Tag ein Stück wilder Natur verlieren. Und das wegen unserer Dummheit und Gier, nichts anderes. Auch wegen unserer Gleichgültigkeit. „Das interessiert mich nicht, es ist nicht mein Problem.“

Heute sind „Naturpark“ und „Reservat“ unanständige Wörter, sowie auch „Natura 2000“. „Bau“ und „Beton“ sind es aber nicht; in den Augen mancher „Investoren“ sie sind das Synonyme für schnelles Geld, und die Konsequenzen sind nicht von Bedeutung....

Unsere Küste ist mit Hotels zubetoniert, sogar innerhalb der Grenzen von Reservaten, wie z.B. Strandzha.

Das Gebiet von Bansko kann abgeschrieben werden – ich werde nicht erklären warum...

Jetzt kommen die Sieben Rila Seen an der Reihe...

Heute gibt es einen Lift, morgen einen Hotel, danach zwei; danach neue Pisten, Schneisen, und danach?.... Danach werden wir uns wundern, wo unsere jungfräulichere Natur geblieben ist, über die Vazov mit einer solchen Begeisterung geschrieben hat, und nicht nur er...

Letzten Herbst gingen wir auch nach Musala, es war Ende Oktober. Auch dort gibt es einen breiten Weg nach oben, es dröhnten Bagger und Lastkraftwagen, Bäume wurden gefällt, neue Pisten gemacht, einen neuen Lift wurde gebaut.... Ich erinnere mich daran, dass es fünf Jahren davor nur einen Steig nach oben gab, mitten in den Legföhren – jetzt gibt es eine Straße und Schlamm... viel Schlamm. Und viele abgehöltzte Stämme von Kiefern und Tannen. L

Letzte Woche waren wir in den Rhodopen – wunderschönes Gebirge, es war so schön und ruhig dort – so ruhig wie es im Gebiet der Sieben Seen früher war, vor mehr als einem Jahr. So ruhig, dass wir sogar kleine Hirsche sahen, die frei auf den Hügeln rannten! So ruhig, dass wunderschöne und seltene Vögel, wie der Neuntöter, sich sogar von nur 3 Meter Abstand photographieren ließen! So ruhig, dass man sich momentan in diesen Ort verliebt, man mag es so wie es ist- ohne dass es unbedingt Hotels, Pisten, breite Wege, Kahlschläge, Erdrutschen, Drahtseilbahnen und großen Menschenmengen, die mehr wilden Barbaren gleichen, als echte Bergsetiger, gibt! (Vielleicht werde ich über den Rhodopen ein anderes Mal schreiben, wir haben dort sehr schöne Photos gemacht...)

Nicht vor langer Zeit protestierten eine Handvoll Enthusiasten in den Straßen und auf den Plätzen für Strandzha, Rila und Irakli (manche Menschen haben sich über sie lustig gemacht, aber die Mehrheit interessierte es gar nicht, wofür sie kämpten). Sie sprangen herum und schwenkten selbstgemachten Transparente: ein verzweifelter Versuch gerade das zu verhindern, was wir jetzt sehen – Bebauung, Zubetonierung, Zerstörung der letzten Ecken mit wilder Natur in den Reservaten von Bulgarien. Über Strandzha wurde viel geschrieben, über die Bebauung der Küste, auch über Rila, aber die Wahrheit ist, dass wir gleichgültig sind. In Sofia leben über eine Million Menschen, von denen es aber nicht mehr als 200 – 300 wagten, in den Strassen gegen die illegalen Handlungen der Investoren zu protestieren, die auf Strandzha, Rila und Irakli Hand gelegt haben. Nur wenige äußerten dann ihre Meinung.


Die Folgen unserer Tatenlosigkeit und die Bestechlichkeit der bulgarischen Politiker sind gerade das, was wir jetzt selbst mit eigenen Augen sehen – an der Küste des Schwarzen Meers, Wildnis, Betonöde auch in Bansko, und „Touristen“-Gedränge, die die Ufer der Rila Seen überschwämmt, „Touristen“, die Müll in ihren Händen, aber auch in ihren Herzen tragen, die aber leider nur den Müll in ihren Händen in den Bergen loswerden...

* * *

Man sagt, die Welt ändert sich ständig...

Ich bin froh, dass ich die Sieben Seen habe- ruhig, wunderschön und einsam, so, wie sie sein sollten... Ich werde auch versuchen, sie so in Erinnerung zu behalten, falls sich alles verändert und sie ihre Einsamkeit und jungfräuliche Schönheit verlieren..... wegen unsere eigene Dummheit....

Ins Deutsche übersetzt von: Christina Hitrova

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